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Sehbehinderte/ Blinde

Sehbehinderte und blinde Diabetiker haben es besonders schwer, ihren Diabetes gut in den Griff zu bekommen. Dafür gibt es viele Gründe. Ist die Sehbeeinträchtigung als Folge des Diabetes aufgetreten, fühlen sich viele Betroffene als Versager und kämpfen mit ihrem Schuldbewusstsein. Dazu kommen viele bange Fragen wie z.B.:

  • Wie kann ich mein Leben möglichst selbständig weiterführen?

  • Kann ich in meinem Beruf bleiben, kann ich überhaupt weiterarbeiten?

  • Wie reagiert mein Partner?

  • Wie führe ich meine Diabetestherapie weiter durch?  oder – sicherlich besonders schwer –

  • Was ist, wenn ich vollständig erblinde?

Hinzu kommt oft auch die Angst vor weiteren Spätfolgen. Da soll man motiviert sein, seinen Diabetes weiterhin gut zu führen?!

Eine schwierige Problematik.

Vergessen wir dabei aber nicht diejenigen, die bereits sehbehindert oder blind sind, und dann mit der Diagnose „Diabetes“ konfrontiert werden. Für diese Gruppe ist es nicht leicht, an Literatur über Diabetes oder an Austauschtabellen zu kommen. Ganz schwierig wird es, wenn sie lernen müssen, wie man spritzt, wie man mit einem Pen oder einem Blutzuckermessgerät umgeht. Letzteres stellt das größte Problem für sehbehinderte oder blinde Diabetiker dar. Seit vielen Jahren werden zwar von der Industrie immer wieder Geräte angeboten, die mit einer Sprachausgabe ausgestattet sind, und damit als besonders blindenfreundlich gelten, aber leider gab es keine wesentlichen Erleichterungen hinsichtlich des Umgangs mit Teststreifen, Sensoren oder des Gewinnens des notwendigen Bluttropfens.

Preiswerter werden diese Geräte leider auch nicht, obwohl im Elektroniksektor (Sprachausgabe) ein großer Preisverfall eingetreten ist.

Weiterhin ist es für die Betroffenen schwer, ihre Blutzuckerergebnisse zu dokumentieren. Es nützt nichts, wenn die Betroffenen ihre Ergebnisse in Punktschrift niederschreiben, der Arzt dies aber nicht lesen kann. Auch zum Abhören von Diktiergeräten hat wohl kaum ein Arzt die Zeit.

So viele Sorgen und Probleme, was kann man da tun?

Herr Karl Busenbender, ehemaliger 1. Vorsitzender des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg e.V. (BSVH) ergriff die Initiative. Er gründete vor einigen Jahren einen Gesprächskreis für sehbehinderte und blinde Diabetiker. Beim ersten Treffen kamen übrigens nur zwei Interessierte, zum Glück wurden es dann mehr. Die Spitzenzahl lag bei 25, einschließlich sehender Begleitung. Bei unseren Treffen sind die sehenden Begleitpersonen natürlich auch herzlich willkommen.

Bei den Vortragsthemen orientieren wir uns hauptsächlich an Diabetes Typ 2, da bisher die Mehrzahl der Teilnehmer davon betroffen sind. Wir würden aber auch ein interessantes Thema für Typ 1-Diabetiker anbieten, wenn sich genügend Interessierte melden.

Bei dieser Gelegenheit gleich einmal ein Dankeschön an die Referenten vom DDB, die uns unterstützen. Weiterhin gibt es natürlich Tipps und Tricks im Umgang mit Pens und Blutzuckermessgeräten und eventuell auch zu Pumpen für Sehbehinderte. Wir berichten über neue Geräte auf diesem Sektor und über Literatur für Diabetiker, die auf Kassette, in Punktschrift oder auf Diskette erschienen ist.

Jetzt denken Sie sicher „Alles gut und schön, aber wer hilft mir bei den Problemen, die am Anfang des Artikels erwähnt wurden?“.

Das muss für jeden einzelnen Betroffenen individuell getan werden, und dies kann unser Gesprächskreis nicht leisten. Dafür stehen jedoch mehrere Mitarbeiter des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg zur Verfügung:

Unsere Sozialarbeiterin Frau Becker hilft bei sozial- und arbeitsrechtlichen Fragen oder bei Anträgen an die Krankenkassen hinsichtlich der Kostenübernahme bei Hilfsmitteln.

Bei der Handhabung und Auswahl von Hilfsmitteln stehen Ihnen Frau Walter und Frau Möller von der Hilfsmittelabteilung zur Seite. Diese beinhaltet sowohl die einfache Unterschriftenschablone, wie auch die sprechende Uhr oder den PC mit Sprachausgabe.

Weiterhin gibt es im BSVH einen Gesprächskreis für Betroffene, die erst seit kurzem blind oder sehbehindert sind. Damit sind nur die wichtigsten Informationsmöglichkeiten genannt, es gibt noch viele andere. Soviel zu unserem kleinen Interessenkreis in Hamburg.

Die Belange blinder oder sehbehinderter Diabetiker werden aber auch auf Bundesebene wahrgenommen. So veranstaltete der Deutsche Blindenverband (der Dachverband der einzelnen Landesvereine) Ende letzten Jahres ein Delegiertentreffen der Diabetesexperten der einzelnen Landesverbände. Auf der umfangreichen Agenda standen u.a. die Tauglichkeit von „sprechenden“ Blutzuckermessgeräten, die Erarbeitung eines Forderungskataloges an die Krankenkassen und den Bundesgesundheitsminister, sowie Vorträge von Diabetesberatern (Frau Jäckle aus dem Krankenhaus Bethanien).

Fazit:

Wenn wir für unseren Personenkreis etwas erreichen wollen, dürfen wir uns als blinde oder sehbehinderte Diabetiker nicht verstecken oder resignieren. Gemeinsam fällt es uns leichter, unsere Probleme zu bewältigen und wir können mehr bewirken als ein Einzelner. Lebensqualität sollte für alle da sein!

Nachsatz zu meiner Person:

Mein Name ist Claudia Feder. Im Herbst vorigen Jahres habe ich angefangen, in dem Gesprächskreis aktiv mitzuarbeiten, Anfang diesen Jahres habe ich die Leitung und Organisation übernommen, da der Gründer dies aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr tun konnte. Ich bin 40 Jahre alt, seit 35 Jahren Diabetikerin, seit 10 Jahren blind (seit 18 Jahren mit demselben Mann verheiratet) und Mitglied im BSVH und im DDB Hamburg.

Als Ansprechpartnerin für blinde und sehbehinderte Diabetiker im DDB bin ich erreichbar unter der Telefonnummer 040 / 866 34 60 oder

per E-Mail claudia.feder@diabetikerbund-hamburg.de

Der Gesprächskreis blinder und sehbehinderter Diabetiker trifft sich regelmäßig im Haus des:

Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg e.V.

Louis-Braille-Haus

Holsteinischer Kamp 26

22081 Hamburg

Tel.: 040 / 209 40 40

Info-Telefon: 040 / 209 40 466